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Wir haben für Sie einen Blog eingerichtet. Hier können Sie Kommentare und Beiträge abfassen! Unsere Sendetermine für 2021: 3. Januar – 7. März – 4. April – 2. Mai – 6. Juni – 4. Juli und 17. Juli – 5. September – 7. November 2021
Am kommenden Sonntag hören Sie eine Wiederholung unserer Sendung vom 7. Juni 2020. Unsere Gesprächspartnerin ist Elfriede Harth vom Netzwerk „Care Revolution“. Wir sprechen mit ihr über die notwendige Transformation des Gesundheitswesens. – Das Netzwerk Care Revolution ist ein Zusammenschluss von über 80 Gruppen und Personen in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die in verschiedenen Feldern sozialer Reproduktion – Hausarbeit, Gesundheit, Pflege, Assistenz, Erziehung, Bildung, Wohnen und Sexarbeit – aktiv sind. Gemeinsam ist ihnen der

Offene Fragen an die jetzigen Corona-Maßnahmen – Oder, wenn ‚man nicht weiter weiß, gründet man eine Arbeitsgruppe‘

Es gibt einige Fragen über dieses wichtige Thema, die für  besorgte Bürger  einer Klärung bedürfen.

1.  Die erste Frage, die sich stellt, ist:  Der Bundesregierung  lag ein sog. Katastrophen-bericht  schon im  Dez. 2012 vor, worin eindeutig darauf hingewiesen wurde, dass in der  nahen Zukunft verschiedene schwerwiegende  Ereignisse bzw. Katastrophen  – u.a. eine Sars-Covid  Pandemie – zu erwarten wären. (Bericht zur Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz 2012, Deutscher Bundestag, Drucksache 17/12051 17/ v.  21. Dezember 012). 

In dem Dokument wird sehr detailliert der mögliche Verlauf und die Gegenmaßnahmen  geschildert – u.a. die Aufstockung der Intensivbettenkapazitäten, der Bestand an Schutzkleidung, Masken, etc. Interessant ist, dass darüber in der Öffentlichkeit bis jetzt wenig oder fast nichts gesagt wurde.  Welche Erklärung gibt es dafür?  Die jetzigen Maßnahmen kommen alle  fast 8 Jahre verspätet. Warum liest man solche in Auftrag gegebene Bericht nicht.

2. Die 2. Welle:  Was war mit der Vorbereitung auf die 2. Welle?

Schon im Juni-Juli 2020 hatten mehrere hochrangige Regierungsmitglieder (u.a. der Gesundheitsminister) ausdrücklich  öffentlich versichert, dass Deutschland für weitere kommende Probleme mit der Pandemie  „bestens aufgestellt„ wäre – besonders,  was die  Intensivbetten-Kapazität angeht!  Heute wird darauf dringend hingewiesen, dass in Deutschland das Angebot an Intensivbetten nicht ausreicht und zusätzlich heißt es, dass kaum qualifiziertes Gesundheitspersonal (!) vorhanden ist.

3. Der Zahlentanz: Die Reproduktionszahl “R“– wo ist die geblieben?

n der Anfangsphase der Pandemie (März 2020) wurde überall darauf hingewiesen, dass die Reproduktionszahl R   als maßgeblich für das Geschehen zu betrachten sei – d.h., dass man den Wert von R unter 1,0 anstreben sollte. In der jetzigen Phase wird darüber – wenn überhaupt – nur am Rande geredet. Die legendäre „R“ Zahl ist nirgends zu sehen – es sei denn, dass man gezielt recherchiert. Stattdessen schlagen wir uns jetzt mit der sog. „Inzidenz-Zahl“ herum. Inzidenzwert ist jedoch eine rein statistisch definierte Verhältniszahl, die nicht unbedingt das medizinische Geschehen widerspiegeln muss. Solche Art von wechselnden „Hinweisschilder“ erzeugen nur noch Frust oder Unverständnis. Welche „Zahl“ kommt als Nächstes auf den Laufsteg?

4. Wer und wo sind die wichtigsten Träger des Virus? 

In der Fachwelt wird schon länger darauf hingewiesen, dass das Infektionsgeschehen stark von bestimmten „Clustern“ – lokal begrenzten Herden – ausgeht.  Es wird sogar gesagt, dass 10 % der Infizierten für 80 % der Infektionen verantwortlich seien – sog „Superspreader“ (siehe J.Hopkins, Public Health Experts, Insights, 2020: Overdispersion of Covid -19, https://www.jhsph.edu/covid-19/). Danach wäre es logisch, die Maßnahmen primär daran auszurichten: Die   Identifizierung und Isolierung der lokalen Infektionsherde wäre eine zielführende Strategie.
Die Aufmerksamkeit in der Berichterstattung   liegt immer noch auf der Übertragung durch Einzelinfizierte – die die Hauptquelle der Infektionen darstellen. Die Berichterstattung ist fast ausschließlich mit stündlicher Verkündung von absoluten Infektionszahlen (bzw. Todeszahlen) beschäftigt.

5. Einsatz der „Track und  Trace Technologie“ –oder was man von der Post lernen kannLehren aus der Anwendung der  Kontaktverfolgungstechnik.
Obwohl am Anfang sehr viel der Aufbau einer Identifizierung und lückenlosen  Verfolgung von Kontakten von Infizierten als einer  vielversprechenden Technik gepriesen wurde, hört man darüber momentan kaum etwas – außer über die peinlichen Pannen in einigen Regionen (z.B. Bayern).

Nach Aussagen des Europabeauftragten der WHO – sind diese Instrumente leider mangelhaft in ganz Europa angewendet worden.  Wie man bis jetzt erleben durfte, wurde jeder Besuch eines Restaurants, Gaststätte, Kino, Hotels, etc. durch penibles Ausfüllen von Listen mit Kontaktdaten (oder Anwendung von entsprechenden Apps) als wichtiges Element der Strategie angegeben. Die Frage ist, was ist daraus geworden? Was hat das genutzt?  Wie viele haben einen Anruf von den Ämtern erhalten, dass sie sich nach dem Besuch eines Restaurants zum Corona-Test begeben sollten? Am Ende gab man zu, dass die örtlichen Behörden (z.B., Ordnung- und Gesundheitsbehörden) damit voll überfordert waren. Tausende von gesammelten Daten blieben ungenutzt liegen, gingen verloren – oder wurden vielleicht vernichtet?

Dagegen ist allgemein bekannt, dass diese Technik doch seit Jahren im Einsatz ist: Man kann jedes Päckchen bei DHL genau nachverfolgen.

6. Zuletzt die Impfstrategie – Heilbringung vs. heilloses Durcheinander?

Um es kurz zu sagen, macht diese Strategie auch nicht den Eindruck, dass man  sehr genau und zielorientiert vorgeht. Schon werden Stimmen laut, die nach einer „Renationalisierung“ von Produktion und Lieferketten rufen! Das ist gar nicht möglich. Besser wäre, Impfstoffe von überall herzuholen – nur so wäre der rasche Aufbau und die Lagerung von diesen Produkten für Hunderte von Millionen Menschen sicher. (Zum Beispiel, auch China und Indien einzubeziehen – denn schließlich sind diese Länder die größten Weltproduzenten von Pharmaprodukten – auch von Impfstoffen und deren Zutaten). Wichtig ist, genug Impfstoff zu holen, bereitzuhalten und eine transparente und vor allem nachvollziehbare Strategie auf allen Ebenen (bis hin zum Dorfgesundheitsamt) für den Impfprozess zu haben.

Es entsteht wieder der Eindruck, dass man halt probiert – um zu schauen, was da rauskommt!

Fazit: Wie man sieht, bleiben viele Fragen offen.  Man hat eher den Eindruck, dass die Entscheidungsträger – z.T. auch die prominenten Experten – hier im Nebel herumstochern – und dies als „Strategie“ verkaufen! Das ist gefährlich, weil dieses Verhalten das Vertrauen ins System allgemein zerstören kann. (In der Wirtschaft würden hier die Führungspersonen schnell ausgewechselt).

Ein kardinaler Fehler ist, die Sars-Covid Pandemie ausschließlich durch eine biologisch-medizinische Brille zu betrachten! Dabei ist jede Epidemie/Pandemie auch ein sozial-politisches Geschehen, das gesellschaftliche Werte und Normen im Kern erschüttert.

Vielleicht wäre es jetzt für die Entscheidungsträger ratsam, offener mit dem Publikum zu kommunizieren, Fehler und Pannen offen zuzugeben und auf Mithilfe zu plädieren.  Damit wäre erstmal eine solide Vertrauensbasis geschaffen – um der Gefahr der Ausbreitung nicht nur des Virus, sondern auch der Ausbreitung des allgemeinen Unmuts   rechtzeitig zuvorzukommen und den selbst ernannten ‚Quer-Kräften‘ den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Dr. B.Amershi
Bertolt Brecht Str. 103
49088 Osnabrück

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